MAR Sales Strategy & Leadership Consulting

Recruitment, Social Media, Customer Satisfaction

Social Media für Unternehmen, ein Clash of Cultures?

Gestern hatte ich das ehrliche Vergnügen einen Vortrag vor Mitgliedern der jungen Unternehmer im AGA Unternehmensverband halten zu dürfen. Das Thema lautet, wenig überraschend für die regelmäßigen Leser dieses Blogs; Social Media Strategien für Unternehmen. Die Veranstaltung war für die Teilnehmer scheinbar interessant, für mich eine Freude und zudem sehr aufschlussreich. Mein Bild über den Wissensstand und den Nutzungsgrad von Social Media hat sich wieder ein Stück weiter komplettiert.

  1. Die Frage, ob es sich bei dem Phänomen Social Media um einen Hype, ähnlich wie den Internet-Hype der späten Neunziger bis 2000, handelt, bewegt Inhaber und Geschäftsführer. Diese Frage verleitet zumeist zu einem gefährlichen, abwartenden Verhalten. Denn Fakt ist, dass die eBusiness-Modelle, die für das Jahr 2000 orakelt wurden, zu dem Zeitpunkt zwar zum Teil ein Opfer der Dotcom-Blase wurden, heute jedoch, also nur einige Jahre später, erfolgreich im Markt sind. Und spektakuläre Firmenpleiten der letzten beiden Jahre, gerade im Handel, zeigen, wie fahrlässig es sein kann, erneut darauf zu warten, dass der Kelch an einem vorbeigeht.
  2. Jenseits einer Altersgrenze von 40 Jahren sind die geschäftlichen Konsequenzen daraus, dass jüngere Generationen mit Web 1.0, Web 2.0, SMS und Smartphones aufgewachsen sind, noch nicht transparent. Zu oft wird die Schlussfolgerung gezogen: „Ich finde Facebook nicht gut, also brauche ich das auch nicht für mein Geschäft!“
    Diese Haltung lässt zum einen demografische und soziologische Trends außer acht, die sich in der Gruppe der Fach- und Führungskräfte, der Konsumenten und der Einkäufer von morgen unaufhaltsam manifestieren. Zum anderen ist Social Media nicht deckungsgleich mit Facebook oder Twitter. Dies sind große Plattformen die den Aufbau sozialer Netzwerke ermöglichen. Social Media ist im Kern aber viel mehr. Es ist Ausdruck eines beginnenden Paradigmenwechsels im Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer, zwischen Unternehmen und Konsument oder Unternehmen und Einkäufer. Die Bewerungsmasstäbe für die Beurteilung ob ein Unternehmen gut oder schlecht ist, als Produzent, als Arbeitgeber, als Geschäftspartner, verschieben sich. Social Media ist Ausdruck einer wachsenden Mündigkeit der Zielgruppen und einer stetig steigenden Unabhängigkeit in der Meinungsbildung. Wer hier als Unternehmen den Anschluss verliert, hat nicht unbedingt einen schlechten Ruf zu erwarten. Es ist schlimmer, wer hier den Anschluss verliert, findet vermutlich irgendwann gar nicht mehr statt.
  3. „Wenn die alle immer bei Facebook rumdaddeln, wann wird dann noch gearbeitet?“ eine oft  gestellte und intensiv diskutierte Frage, in allen Vorträgen, die ich bisher zu diesem Thema gehalten habe.
    Die Antwort ist simpel. Prüfen Sie, wie Sie Soziale Netzwerke und das Bewegen Ihrer Mitarbeiter darin zu einem Bestandteil der Arbeit Ihrer Mitarbeiter und der Kommunikationskanäle Ihres Unternehmens machen.
    Wenn Sie dies nicht tun, wird Ihr Unternehmen den Anschluss an die Kommunikationsgewohnheiten Ihrer Kunden und Entscheider von morgen verlieren. Fragen Sie sich, wäre Ihr Unternehmen heute noch am Markt, wenn Sie bei Fernschreibern stehen geblieben wären? Welches Unternehmen könnte heute erfolgreich sein, wenn es nur über handgeschriebene Briefe mit seinen Partnern kommunizieren würde? Der Markt kennt die Beschränkungen der eigenen Vorstellungskraft nicht, geschweige denn, dass er sich danach richtet.
  4. Eine nicht unerhebliche Gruppe von Führungskräften vertritt auch die Position, dass es richtig sei, das Thema Social Media den Altersgruppen im Unternehmen anzuvertrauen, zu deren Lebensgewohnheiten es gehört. So landet eines der zentralen Zukunftsthemen für Vertrieb und Marketing in den Händen von Auszubildenden und Praktikanten. Deren Engagement und partielle Kompetenz in diesem Bereich will ich nicht in Frage stellen, aber es ist ein Ausdruck dessen, wie stiefmütterlichdas Thema betrachtet und wie nebensächlich es vielfach behandelt wird. Kein Marketing-Verantwortlicher würde die Unternehmensbroschüre durch Praktikanten erstellen lassen, kein Vertriebsleiter den aktuellen Verkaufsprospekt durch einen Auszubildenden. Aber einen der Kanäle, an denen die meiste Kommunikation, Interaktion und Bindung von und mit Kunden, Lieferanten und Multiplikatoren erfolgen kann und wird, geben Unternehmensverantwortliche in die Hände von Auszubildenden und Praktikanten.
    Am seltensten tritt dieser Effekt meiner Erfahrung nach übrigens im Recruitment auf. Personalabteilungen weisen hier oft mehr Sensibilität auf, Stichwort Employerbranding, als Marketing- und Vertriebsabteilungen dies noch tun.
    Social Media Sales und Social Media Marketing sind aber von hoher Relevanz für nachhaltigen Verkaufserfolg, mithin sind sie unternehmerisch essentiell. Heute schon oft, zukünftig vermutlich nahezu immer.
  5. IT-Abteilungen stellen sich oft nicht gerade als Promotoren oder Katalysatoren für erfolgreiche Social Media Projekte heraus. Der pauschale Hinweis auf Sicherheitsrisiken und das Totschlagargument, Soziale Netzwerken seien doch eh nur was für Kiddies, fehlgeleitete Voyeure und Verbalexhibitionisten, können reflexartig reproduziert werden und ersticken zarte Keime schon am Anfang eines möglichen Projektes. Nun beginnt ja der Frühling, vielleicht eine gute Gelegenheit den technologischen Social-Media-Winterschlaf zu beenden.

In der Gesamtbetrachtung zeigt sich für mich, wie groß der Wissensdurst und der Beratungs- und Begleitungsbedarf gerade bei den mittelständischen und auch kleinen Unternehmen ist, sich mit dem Thema Social Media auseinanderzusetzen. Das sehe ich sehr positiv. Gerade hier liegen Chancen für die KMU, es den „Großen“ zu zeigen. Denn im Social Web entscheiden nicht Budgethöhe und Manpower über den Erfolg, sondern Kriterien wie Transparenz, Authentizität, Kontinuität und Kreativität. Diese können aber gerade von KMU zum Teil besser erfüllt werden, als von den Top 100.

Vielen Dank an dieser Stelle nocheinmal an den AGA, insbesondere an Frau Kaegeler für die Organisation und die Gelegenheit bei Ihnen sprechen zu dürfen!

Folien des Vortrags: 110321_Vortrag_Social_Media_AGA

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